Weingeschichte

Geschichte des Weinbaus in Moldova

Vor- und Frühgeschichte

Die Traubenproduktion hat in Moldova eine sehr lange Geschichte. Der Weinbau in der Region zwischen dem Nistru und Prut begann schätzungsweise vor 7000 Jahren. Er überlebte viele soziale und ökonomische Wechsel bis zur heutigen Zeit. Abdrücke von Rebenblättern (Vitis teutonica) wurden in der Nähe des Dorfes Naslavica im Norden Moldovas gefunden. Hieraus kann man schließen, dass Reben in dieser Region schon vor 6 bis 25 Millionen Jahren angebaut wurden. In der Nähe des Dorfes Varvarovca wurden alte Traubenkerne aus dem Jahr 3000 - 2700 v. Chr. Gefunden (Periode Tri Polis). Die Größe dieser Traubenkerne lässt darauf schließen, dass Reben bereits zu dieser Zeit kultiviert wurden.

Altertum

Am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. machten die Griechen die lokale Bevölkerung mit der Weinherstellung aus Trauben bekannt. Die Verarbeitung von Weintrauben war damals eine Kernkompetenz der Griechen, die auch weitere Veredelungsprodukte einführten. 107 n. Chr. kamen die Römer in die Gegend und brachten dem Weinanbau wiederum neue Impulse. Man machte große Fortschritte mit Rebenanbau und der Önologie. Mit der Invasion der Hunnen, 376 n. Chr., wurden weite Gebiete der Agrikultur in diese Region zerstört.

Mittelalter

Durch die Fürsten von Moldau wurde im Mittelalter ein eigener Weinkult begründet. Größere Gebiete wurden dem Weinbau gewidmet und die weinbauliche, wie auch die Kellertechnik wurde verbessert. Das Herscherhaus setzte besondere Aufseher ein, die über die Weine und die Weinwirtschaft wachten. Ab dem 14. Jahrhundert wurde Wein nach Polen und Moskau exportiert.

Barockzeit

Nach der Wiederherstellung eines moldauischen unabhängigen Staates kam der Weinanbau wieder in Schwung. Im 15. Jahrhundert, während der Regierungszeit von ªtefan cel Mare, blühte die Weinproduktion wieder auf, da dieser das Einführen von ausländischen Rebsorten zur Förderung der Weinqualität unterstützte. Unter der Regierung des türkisch-osmanischen Imperiums vom 15. bis zum 18. Jahrhundert brach der Weinanbau wieder zusammen. Die religiösen Gesetze unterdrückten die Herstellung von Wein aus Trauben, lediglich der Export in die Ukraine erhielt die oenologischen Grundfähigkeiten.

Annexion durch Russland

Im sechsten Türkenkrieg zwischen 1806 - 1812 eroberten Truppen des russischen Zaren Alexander I. Bessarabien. Die Weinwirtschaft konnte sich erst nach Friedensverhandlungen im Jahre 1812 erneut entfalten. Durch die erneute Verbreitung des Christentums wurde die Kunst der Weinherstellung gefördert. Die Kirche hatte großen Bedarf an Wein, denn das Missale forderte seit 1699 die Verwendung von Wein. Noch heute bestellt ein Moskauer Kloster Purcarischen Wein. Russische Adelige erwarben Weingüter und importierten modernes Rebpflanzgut aus dem befreundeten Frankreich: Aligoté, Cabernet Sauvignon, Gamay, Muscat Blanc, Pinot Blanc, Pinot Gris, Pinot Noir, Sauvignon Blanc und andere. Dies zeugt für die dynamische Leistungs- und Erneuerungsfähigkeit der moldauischen Weinwirtschaft. Moldawien nahm mit 50% Platz eins der russischen Weinproduktion ein. 1837 wurden 1 Million Eimer (altes Württemberger Weinmaß) produziert, 1900 bereits 15 Millionen. Hiervon gingen 10 Millionen in den Export, einschließlich nach Frankreich, das zu dieser Zeit unter Weinmangel litt. Damals wurden überwiegend autochthone Rebsorten angebaut: Batuta Neagra, Cabasia, Feteasca Alba, Feteasca Neagra, Galbena, Plavai,Rara Neagra, Tamaioasa, Zghiharda, und viele andere lokale Sorten aus Bulgarien, Griechenland, Ungarn und der Türkei.

Es kristallisierten sich weinbauliche Mikrozonen heraus und in den einzelnen Weinbauzonen innerhalb Moldawiens fand ein Ausgleich statt. Die Purcarische Mikrozone war z.B. im 19. Jahrhundert bekannt für ihren Rotwein. Die hohe Weinqualität wird durch den Gewinn einer Goldmedaille auf der Internationalen Pariser Weinausstellung 1878 bestätigt. Die königliche Familie kaufte die gesamte Partie auf. Im frühen 19. Jahrhundert wurde Negru de Purcari in das Vereinigte Königreich geliefert. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gründete die königliche Familie ihr eigenes Weingut Romaneshti zu Ehren der Romanow Familie. Romaneshti wurde Hoflieferant des russischen Reiches und wurde auch an andere europäische Höfe geliefert.

Neuzeit

Im damaligen Bessarabien, das heutige Moldawien einschließlich der Küstenregion bis zum schwarzen Meer, wurden die Weinbauer staatlich unterstützt. Zwischen 1814 - 1842 wanderten aus Württemberg und aus einst preussischen Gebieten in Polen etwa 9000 Personen in das damalige russische Gouvernement Bessarabien am Schwarzen Meer ein, weiteres Weinwissen bereicherte das Land.

Die Angeworbenen sollten vor allem die Landwirtschaft auf dem fruchtbaren Schwarzerdeboden verbessern. Zar Alexander I. erließ ein Manifest, in dem er deutschen Siedlern viele Privilegien versprach. Die Bauernhöfe in den Musterdörfern lagen jeweils an einer bis zu 50 m breiten, von Akazien gesäumten Straße. Während die Grundstücke an der Straßenseite nur 20 Meter maßen, erstreckten sich in der Länge bis auf 250 Meter. Die langgestreckten, eingeschossigen Wohnhäuser standen jeweils mit dem Giebel zur Straße. Baumaterialien der weißgetünchten Gebäude waren Lehmziegeln oder Naturstein. Auf dem Wirtschaftshof fanden sich Stallungen, Dreschplatz sowie immer ein Vorrats- und ein Weinkeller. Im hinteren Grundstücksteil lagen Gemüse-, Obst- und Weingärten. In einigen Kolonien wurde großflächig Weinanbau betrieben, aber jeder Hof baute Wein für den Eigenbedarf an.

Es wurden 10 Millionen Liter Wein jährlich produziert. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Frankreich eingeführten Rebsorten wurden weitläufig angepflanzt, bis die aus Amerika eingeschleppte Reblaus-Plage am Ende des 19. Jahrhunderts die Weinwirtschaft zum Erliegen brachte. Erst im Jahre 1906 wurden die Weinberge wieder reaktiviert, indem man neue Klone aufpfropfte. In Bessarabien lag 1914 das größte Weinanbaugebiet von Russland.

Zu Beginn des 20. Jahrhundert gründete P.K. Kazimir , einer der besten bessarabischen Önologen neue Weinberge in großem Stil und nutzte die alte Coquina Mine nahe der Stadt Mileshti Michi als Weinkeller. Auf Initiative des Generalgouverneurs von Novorossiysk, Earl M.S. Vorontsov, wurde die Geto Wüste und die Budschak Steppe kultiviert. Bereits 1903 erhielt die Kellerei Gebrüder Covaliotty zwei Goldmedaillen auf der bessarabischen Landwirtschaftsausstellung. Ihre zweistöckigen Kelleranlagen sind bis heute erhalten. Schon 1914 wurde eine Weinmesse in Moldawien organisiert. Die erste Weinbauschule Moldawiens wurde 1842 in Stavcheni eröffnet. Dieses Institut hatte erstmals einen botanischen Garten, bzw. eine Rebenzucht. Beide Weltkriege haben zu einer weitläufigen Zerstörung vieler Rebberge und Weinkellereien beigetragen, doch weder Revolution noch der Krieg konnten die Weinkultur und -tradition zerstören. Die häufigsten roten Sorten dieser Zeit sind: Gamay, Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot, Pinot Noir, Rara Neagra, Saperavi, die häufigsten weissen Sorten: Aligoté, Muscat Ottonel, Rkatsiteli, Feteasca, Chardonnay, Traminer. Als Tafeltrauben wurden Gutedel, Hamburg Muscat, Moldavschi, Moldova, Pearl Muscat, Vineyard Queen und die Perle von Saba produziert.

Weinbau in der Sowjetzeit

Der Wiederaufbau der moldauischen Weinberge und Weinkellereien begann in den 1950er Jahren. Innerhalb von 10 Jahren wurden mehr als 150.000 ha angepflanzt und bereits im Jahr 1960 erreichte die Größe der angebauten Weinflächen mehr als 220.000 ha. Stollen und Keller wurden zusammengefasst, ausgebaut und wirtschaftlich gestärkt. Daher sind heute Cricova, Milestii Mici und Branesti wahre Wein-Fundgruben in der Republik. Man könnte diese als unterirdische Städte bezeichnen, die sich über kilometerweite Strecken verteilen, nur noch vergleichbar mit den Stollen in der Champagne. Mehr als 2 Millionen Raritätenflaschen können dort gefunden werden. In der Sowjetzeit begann man in den 1960er Jahren mit der Herstellung halbtrockener und lieblicher Weine. Um die Weinnachfrage zu befriedigen verlangte der Wirtschaftsminister der UDSSR die Entwicklung neuer Weinqualitäten. Diese trafen schnell den Geschmack der sowjetischen Konsumenten. Bis heute ist die Nachfrage nach Weinen aus Moldawien in Russland groß, da diese leicht, frisch, fruchtbetont und differenzierbar sind.

Die Jahre zwischen 1960 und 1980 gaben der moldauischen Weinwirtschaft neue Impulse. Der Weinbau weitete sich aus und der Rebsortenspiegel diversifizierte sich. Moldawien wurde Hauptweinlieferant der UDSSR. Jede zweite Flasche Wein und jede dritte Flasche Schaumwein für die UDSSR wurde in Moldawien und mittels moldauischen Grundweinen hergestellt. In den Jahren seiner größten Ausdehnung war eine Rebfläche von 220.000 ha im Ertrag. Die Traubenproduktion wurde von der Weinproduktion abgekoppelt und eine Ära der Massenproduktion begann. Die Prohibition der 1980er Jahre traf Moldawien hart. Hektarweise wurden Weinberge im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Alkoholismus niedergelegt. Gorbatschows Anti-Alkohol-Kampagne vernichtete wertvolle Weinberge. Hieraus resultierten größte wirtschaftlichen Schwierigkeiten, man kann von einer nationalen ökonomischen Tragödie sprechen. Alles war auf Weinbau ausgerichtet, doch plötzlich sollte planmäßig weniger Wein produziert werden.

Weinbau heute

Mit Beginn der 1990er Jahre wurde die erfolgreiche Wiederbelebung des Qualitäts-Weinbaus und der Weinwirtschaft ein bedeutender ökonomischer Entwicklungsfaktor. Die Weinkellereien entwickelten sich rasch und auch die Traubenproduktionsbetriebe als Zulieferer profitierten hiervon. Dies ist ein Beweis für die hohen Qualitätsansprüche, aber auch Versprechen für das Endprodukt. Gegenwärtig wird wieder viel Geld in die Entwicklung der Weinkellereien und ihrer technischen Ausrüstung, wie auch in neue Rebanlagen mit stabiler Produktion und hohem Qualitätsanspruch investiert.

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